Angesichts einer älter werdenden Bevölkerung, Fachkräftemangel im Gesundheitswesen und drohender Milliardendefizite bei den gesetzlichen Krankenkassen sollten Prävention und Gesundheitsförderung mehr in den Fokus der Gesundheitsversorgung gestellt werden. Das fordert der deutsche Wissenschaftsrat in einem kürzlich veröffentlichten Positionspapier. Trotz Gesundheitsausgaben von 500 Milliarden Euro hinke Deutschland bei der Lebenserwartung im internationalen Vergleich hinterher. Ein Kurswechsel hin zu mehr Prävention könne das Gesundheitssystem entlasten und verbessern, ist der Wissenschaftsrat überzeugt. Problematisch sei, dass derzeit gerade gefährdete Gruppen von Präventionsmaßnahmen oft nicht erreicht würden, was soziale und gesundheitliche Unterschiede verschärfe. Gesundheit müsse daher als verbindliches Ziel in allen Politikbereichen verankert werden, etwa in Bildung, Arbeit, Wirtschaft, Ernährung oder Umwelt. Der Rat schlägt vor, neue Präventionsmaßnahmen in Experimentierräumen, zum Beispiel in Betrieben und Schulen, zu erproben und dabei Kinder, Jugendliche und Geschlechteraspekte stärker einzubeziehen. Prävention müsse zudem als Schwerpunkt in Studium, Lehre sowie Aus- und Weiterbildung von medizinischen und medizinnahen Berufen gestärkt werden. Außerdem spricht sich der Wissenschaftsrat für eine „gesundheitsförderliche Regulierung“ von Alkohol, Tabak und hochverarbeiteten Lebensmitteln aus sowie dafür, die zusätzlichen Mittel für die Präventionsforschung einzusetzen.
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