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Mail aus Thessaloniki

17.02.2026 Seite 10
RAE Ausgabe 3/2026

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 3/2026

Seite 10

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„Kalimera sas …“ Diese Begrüßung kenne ich. Die nächsten Sätze des Gynäkologen verstehe ich schon nicht mehr. Der Assistenzarzt wirft uns immer wieder Übersetzungen, englische Brocken, vor die Füße, die ich weder im Griechischen noch im Englischen verstehe. Wahrscheinlich würde ich sie noch nicht einmal im Deutschen verstehen. Wie ein Geist schwebe ich der Visite im Papageorgiou Hospital in Thessaloniki hinterher, nur für die Begrüßung bin ich vorhanden, danach dissoziiere ich wieder in einem Meer aus griechisch.

Mein Erasmus-Semester in Griechenland ist zugegebenermaßen weniger an der Uni orientiert, mehr am Ägäischen Meer, an der Sonne und den vielen spannenden Menschen, die ich hier treffen durfte. Im Krankenhaus verstehe ich die Arzt-Patienten-Gespräche zwar nicht, genieße dafür aber die Interaktionen mit meinen griechischen, tschechischen, französischen, spanischen, deutschen und europäischen Kommilitoninnen und Kommilitonen umso mehr. Weil der Fokus mehr auf dem internationalen Austausch liegt, sind selbst die Vorlesungen, die tatsächlich auf Englisch gehalten werden, nicht mehr so relevant. Wir treffen uns lieber in unserem Lieblingscafé, spielen Backgammon und lassen die Katzen über die Tische laufen. Ganz viele Katzen aus ganz Europa und zum Teil auch aus der ganzen Welt kommen hier zusammen, um zu zeigen, dass jede Grenze, jede Distanz, jede Mauer durch Freundschaft und Zuneigung eingerissen werden kann. Es ist schön, ein Teil der Erasmus-Gemeinschaft zu sein, und es hat mich dazu gebracht, noch intensiver darüber nachzudenken, welche Mauern noch einzureißen sind.

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