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Medizinstudium

Ungewisser Start des Praktischen Jahres

17.02.2026 Seite 6
RAE Ausgabe 3/2026

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 3/2026

Seite 6

© Ärztekammer Nordrhein

Im Oktober 1970 setzte der Gesetzgeber eine neue Approbationsordnung in Kraft. Darin enthalten war die Etablierung des Praktischen Jahres (PJ) als Teil des Medizinstudiums. Das PJ sollte mit einer großzügigen bereits einmal verlängerten Übergangsfrist am 1. Oktober 1976 starten. Das Rheinische Ärzteblatt (RÄ) konstatierte in seiner ersten März-Ausgabe 1976: Es müsse „ein gutes halbes Jahr vor diesem Tag X ein desolater Zustand festgestellt werden“. Zum Beispiel sei Schleswig-Holstein nicht in der Lage, die Hälfte der Kosten für diesen Ausbildungsabschnitt aufzubringen, sodass das PJ dort nicht stattfinden könne. Ähnlich sehe die Lage in Hamburg aus. In Nordrhein-Westfalen seien Verträge mit sieben Lehrkrankenhäusern abgeschlossen worden, wobei diese „ausgerechnet überwiegend Krankenhäuser mit geringeren Kapazitäten“ waren. Auch hätten viele Krankenhausträger festgestellt, dass das PJ „keineswegs ein finanzieller Zugewinn“, sondern mit Verpflichtungen verbunden sei. „Als Beispiel seien hier nur die offene Frage der Einordnung der Studenten in den Krankenhausbetrieb und die Frage nach ihrem Mitspracherecht genannt.“ Ein weiteres Problem: Die Universitätsprofessoren sahen bei sich neben der Lehrtätigkeit im klinischen Abschnitt des Studiums keine weiteren Kapazitäten, um PJ-Studierende anzuleiten. „Auch sei es für die Patienten in den Universitätskrankenhäusern eine Zumutung, sozusagen als Lehrobjekte einer zusätzlichen Gruppe angehender Ärzte zur Verfügung stehen zu müssen.“ Die Ärztekammer Nordrhein forderte angesichts der zahlreichen ungelösten Probleme alle Beteiligten auf, das PJ zügig vorzubereiten oder den Mut aufzubringen, die Approbationsordnung erneut zu ändern, bevor „endgültig konstatiert werden muß, daß die Reform des Medizinstudiums eine Verschlechterung der Ausbildung zum Arzt zur Folge gehabt hat“.    

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