Ich glaube, solche Situationen kennen viele Medizinstudierende aus dem Klinikalltag: Man wird entweder von Patientinnen und Patienten mit „Frau Doktor“ beziehungsweise „Herr Doktor“ angesprochen oder gefragt, ob man gerade ein Schulpraktikum mache. Zwei Extreme, zwischen denen oft nur wenige Minuten liegen.
Natürlich sind wir Studierende nicht alle gleich alt. Manche haben vor ihrem Medizinstudium bereits eine Ausbildung oder ein anderes Studium absolviert, andere haben direkt nach dem Abitur begonnen. Das äußere Erscheinungsbild lässt bekanntlich nur begrenzt Rückschlüsse auf das Alter und schon gar nicht auf die fachliche Kompetenz zu. Trotzdem kann ich durchaus verstehen, dass Patienten mich manchmal als zu jung einschätzen. Dennoch macht das etwas mit mir.
In meiner letzten Famulatur bezeichnete mich eine Patientin vor dem Oberarzt als „junges Mädchen“. Das war in diesem Kontext nicht abwertend gemeint. Trotzdem bleibt ein gewisses Gefühl der Unsicherheit. Wird man überhaupt ernst genommen? Nicht nur jetzt in der Studienzeit, sondern auch im späteren Berufsleben?
Ein Krankenpfleger erzählte mir einmal, dass sich einige Patientinnen und Patienten während der Visite eher an ihn als an eine junge Ärztin wandten, obwohl sie das Gespräch führte. Manchmal wurde im Anschluss sogar gefragt, wann denn ein Arzt kommen würde.
Solche Erfahrungen sind wohl keine Einzelfälle. Vielleicht werden die Fähigkeiten junger Ärztinnen und Ärzte aufgrund von vermeintlich geringerer Erfahrung angezweifelt. Aber sollte nicht auch junger Kompetenz vertraut werden?
Wie erlebt Ihr das Medizinstudium? Schreibt mir unter medizinstudium(at)aekno.de.


