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Praxis

Physician Assistants überzeugen im Praxistest

15.10.2026 Seite 20
RAE Ausgabe 11/2026

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 11/2026

Seite 20

Mehr Zeit für die Behandlung, kürzere Wartezeiten, hohe Akzeptanz: Eine erste Zwischenbilanz des Modellprojekts der KV Nordrhein zeigt, wie Patientinnen und Patienten von Physician Assistants (PAs) in der ambulanten Versorgung profitieren.

von Christopher Schneider

Seit 2025 erprobt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein gemeinsam mit 16 Haus- und Facharztpraxen im Rheinland den Einsatz von PAs in der ambulanten Versorgung. Die wissenschaftliche Begleitung des Modellprojekts durch das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) liefert nun erste belastbare Ergebnisse. In einer Umfrage berichteten rund 180 Patientinnen und Patienten, wie sie die Behandlung durch PAs erlebt haben – mit einem überwiegend positiven Fazit.

Hohe Akzeptanz trotz Neuland
Für rund drei Viertel der Befragten (76 Prozent) war die Behandlung durch einen PA neu. Dennoch reagierten 38 Prozent sehr und 17 Prozent eher positiv auf die Ankündigung, dass eine PA den Termin übernehmen würde, weitere 45 Prozent zeigten sich neutral. Auch im Nachhinein fällt das Urteil gut aus: Bei 98 Prozent der Befragten wurden die Erwartungen an den Praxisbesuch erfüllt. Zufrieden oder sehr zufrieden zeigten sich 76 Prozent mit der Verständlichkeit der Erklärungen und der fachlichen Kompetenz, 75 Prozent mit Empathie und Freundlichkeit sowie 72 Prozent mit der verfügbaren Behandlungszeit. Als Hauptvorteile nannten die Patientinnen und Patienten, dass sich PAs mehr Zeit nehmen könnten, sowie kürzere Wartezeiten auf einen Termin und im Wartezimmer. 57 Prozent würden eine Behandlung durch eine PA deshalb sehr wahrscheinlich aktiv weiterempfehlen, weitere 28 Prozent zeigten sich einer Empfehlung gegenüber aufgeschlossen.

„Dieses Feedback zeigt, dass Patientinnen und Patienten PAs sehr gut annehmen und ganz konkret von ihrem Einsatz profitieren. Gleichzeitig können PAs ärztliche Kapazitäten freisetzen und damit zu einer besseren Aufgabenteilung im Praxisteam beitragen“, fasst Dr. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, zusammen.

Entlastung bei Routineaufgaben
Die Befragung zeigt auch, wie genau PAs Ärztinnen und Ärzte im Alltag entlasten. Denn auch die insgesamt über 30 teilnehmenden Mediziner und Medizinerinnen wurden vom Zi im Frühjahr 2026 befragt: Bei 45 Prozent der Termine war die Ärztin oder der Arzt während der PA-Behandlung nicht anwesend, bei weiteren 29 Prozent nur kurz. Bei 26 Prozent begleiteten sie die Behandlung vollständig. Wurden sie hinzugezogen, ging es vor allem um Rezepte (45 Prozent) und Therapieentscheidungen (44 Prozent), seltener um Nachkontrollen (16 Prozent). In Summe belegen die Zahlen ein hohes Delegationspotenzial bei Routineaufgaben, während Ärztinnen und Ärzte gezielt an den medizinisch entscheidenden Punkten eingebunden bleiben. Wichtig dabei: Die Zahlen bilden die aus Patientensicht sichtbare ärztliche Präsenz ab, nicht die ärztliche Fallverantwortung, die durchgehend bestehen bleibt.

Wirtschaftlichkeit bleibt ungeklärt
Der Zwischenbericht zeigt aber auch: Die wirtschaftliche Tragfähigkeit des PA-Einsatzes bleibt unter den aktuell geltenden Regelungen des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) ungeklärt. Denn eigene EBM-Ziffern für PA-Leistungen fehlen. Delegierbare Tätigkeiten werden über ärztliche Leistungsziffern abgerechnet. Das lässt Praxen in dauerhafter Planungsunsicherheit und wird von den befragten Praxen folgerichtig kritisiert. Zu Projektbeginn erwarteten nur drei von zehn neu einstellenden Praxen eine positive wirtschaftliche Bilanz. Praxen, die bereits länger mit einer PA arbeiten, bewerten die Situation differenzierter. Neben den monetären Effekten nennen sie regelmäßig einen spürbaren Gewinn an Zeit, Entlastung und Versorgungsqualität.
 

Potenzial braucht passende Rahmenbedingungen
Damit sich das Potenzial von PAs voll entfalten kann, müssen aus Sicht der KV Nordrhein daher künftig vor allem die strukturellen Voraussetzungen stimmen. Einen wichtigen Schritt hat die KV Nordrhein bereits zum 1. Juli 2026 umgesetzt: Seitdem werden PAs bei der Plausibilitätsprüfung berücksichtigt. Weiterer Handlungsbedarf besteht insbesondere bei rechtssicheren Regelungen für die Delegation und bei einheitlichen Standards für Aus- und Fortbildung. „Mit der Berücksichtigung von PAs bei der Plausibilitätsprüfung haben wir auf unserer Seite bereits eine entscheidende Weiche gestellt“, so Bergmann. „Weitere Schritte müssen folgen. Unser Ziel ist Planungssicherheit für Praxen und Rahmenbedingungen, die den Einsatz von PAs in der ambulanten Versorgung wirtschaftlich wie rechtssicher dauerhaft ermöglichen. Hierzu braucht es einen Schulterschluss zwischen Wissenschaft, Selbstverwaltung und Politik.“
 
 

Christopher Schneider ist stellvertretender Pressesprecher der KV Nordrhein.