An der Bundestagswahl am 3. Oktober 1976 beteiligten sich über 90 Prozent der Wahlberechtigten. Die Unionsparteien CDU und CSU wurden mit 48,6 Prozent der Stimmen zwar stärkste Kraft, dennoch konnten SPD und FDP ihre sozial-liberale Koalition fortsetzen, wenn auch mit einer sehr knappen Mehrheit im Bundestag. Die Wahl kommentierte Gustav Gessler in der zweiten Oktober-Ausgabe 1976 des Rheinischen Ärzteblatts (RÄ). Das Regieren werde in den kommenden vier Jahren nicht einfach werden angesichts einer starken Opposition im Bundestag und einer Stimmenmehrheit von 26 zu 15 zugunsten der CDU/CSU-regierten Länder im Bundesrat. Nach dem hitzigen und von polarisierenden Slogans wie „Freiheit oder Sozialismus“ geprägten Wahlkampf erkannte der Kommentator einen Trend zur politischen Mäßigung. „Ohne große Kombinationsgabe kann man bei dieser Situation erwarten, daß in vielen Sachbereichen in der nächsten Legislaturperiode eine ‚heimliche große Koalition‘ entstehen wird“. Das Gesundheitswesen, dessen Kostenexplosion noch nicht im Griff sei, werde weiter im politischen Gesetzgebungsfokus bleiben, „und zwar diesmal geprägt von Pragmatikern und Machern“.
Die erste Oktober-Ausgabe 1976 des RÄ berichtete über die Einweihung des bundesweit ersten Ärztehauses, das die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein errichtet hatte. In Hückelhoven nahmen fünf Fachärzte und ein praktischer Arzt ihre Arbeit unter einem Dach auf. Das Ärztehaus gewährleiste eine „ans Optimale grenzende ambulante ärztliche und fachärztliche Versorgung“. Bei der Planung seien Möglichkeiten der gemeinschaftlichen Raumnutzung und Rationalisierung des Praxisablaufs ausgeschöpft worden. Die KV vermietete die Praxisräume an die Ärzte und räumte ihnen ein Vorkaufsrecht ein.
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