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Praxis

Innovationen im Praxisbetrieb prüfen

25.09.2026 Seite 20
RAE Ausgabe 10/2026

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 10/2026

Seite 20

In der neu eröffneten MediTeam Praxis testet die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein Versorgungsinnovationen im Praxisalltag. Das Team erprobt in der modernen Arztpraxis innovative digitale Ansätze der Diagnostik, Therapie und Organisation direkt im laufenden Betrieb.

von Simona Meier

Die ambulante Versorgung entwickelt sich rasant weiter. Neue Technologien, digitale Anwendungen und veränderte Arbeitsweisen eröffnen große Chancen. Jetzt startet am Kölner Standort der KV Nordrhein am Butzweilerhof auf rund 300 Quadratmetern eine moderne hausärztliche Praxis, die gezielt als Reallabor aufgebaut wird. Die Praxis bietet die Möglichkeit, digitale Versorgungsinnovationen im realen Alltag einer Hausarztpraxis mit Patientinnen und Patienten aus dem nahen Umfeld zu evaluieren. „Wir schaffen einen Ort, an dem wir Versorgung neu denken und direkt verbessern“, erklärt Dr. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein. „Unser Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die den Praxisalltag effizienter machen und die ambulante Versorgung nachhaltig stärken.“

Nutzen im Tagesgeschäft

Im realen Betrieb einer Hausarztpraxis sollen digitale Lösungen, interprofessionelle Zusammenarbeit und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz systematisch getestet und bewertet werden. „Wir bringen neue Technologien dorthin, wo sie wirken müssen: in den Versorgungsalltag“, sagt Dr. Bahman Afzali, der als Hausarzt in der MediTeam Praxis tätig ist. „Nur so erkennen wir, was uns wirklich entlastet und die Behandlung verbessert.“ Mit dem neuen Praxiskonzept erweitert die KV Nordrhein ihre Angebote rund um IT-Beratung, Niederlassungsberatung und Praxis4future in Köln und Düsseldorf für ihre Mitglieder. Das MediTeam wendet die digitalen Innovationen im Versorgungsalltag an, die in den Showrooms der KV Nordrhein ausgestellt werden.
Die neue MediTeam Praxis startet mit einem Team aus zwei Hausärzten und einer Medizinischen Fachangestellten, zunächst in Teilzeit. Langfristig wird die Praxis, die vorerst die KV Nordrhein betreibt, dann von den Ärzten übernommen und geführt. Perspektivisch wird das Team durch Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung sowie durch Studierende erweitert. Damit wird die Praxis auch zu einem wichtigen Lernort für den medizinischen Nachwuchs. Die Zusammenarbeit im Team sowie der Austausch mit weiteren Fachkräften sollen neue Formen der Kooperation fördern und die Arbeitszufriedenheit steigern.

Die Praxis versteht sich als Reallabor, in dem neue Technologien und Prozesse nicht isoliert betrachtet, sondern direkt im Versorgungsalltag angewandt und evaluiert werden. „Wir wollen vor Ort belastbare Erkenntnisse gewinnen, die wir anschließend anderen Praxen zur Verfügung stellen können“, erklärt KV-Vorstand Bergmann das Konzept. „Wir wollen herausfinden, welche Innovationen im Alltag funktionieren und den Praxisbetrieb sinnvoll unterstützen“, ergänzt Allgemeinmediziner Afzali. „Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern auch um bessere Abläufe und mehr Zeit für die Versorgung der Patientinnen und Patienten.“
Ein modernes Praxisverwaltungssystem bildet die Grundlage für effiziente Abläufe. Ergänzt wird dies durch die Integration moderner TI-Anwendungen sowie durch digitale Tools wie Online-Terminbuchung, Telemedizin und digitale Formulare. Auch das Wartezimmermanagement wird digital unterstützt, um Prozesse für Patientinnen und Patienten transparenter und komfortabler zu gestalten. Perspektivisch ist zudem der Einsatz von Selfservice-Terminals für Patienten oder KI-gestützten Sprachassistenten geplant, die das Praxispersonal entlasten können. Nur solche Lösungen sollen in den Alltag übernommen werden, die einen echten Mehrwert bieten.

Moderne Patientensteuerung 

Die räumliche Gestaltung der Praxis unterstützt die innovativen Ansätze. Neben klassischen Behandlungs- und Sprechzimmern gibt es spezielle Bereiche für Diagnostik und Therapie sowie einen digital gestützten Blutentnahme- und Impfraum. In separaten Telemedizinkabinen sind Videosprechstunden möglich. Zwei Wartebereiche sorgen für eine flexible Patientensteuerung, während Backoffice- und Empfangsbereiche effiziente Verwaltungsabläufe unterstützen. Ergänzt wird das Raumkonzept durch Aufenthalts- und Teamräume, die die Möglichkeit für Austausch und Erholung bieten. 

Erkenntnisse weitergeben

Ein zentrales Ziel ist es, die gewonnenen Erkenntnisse systematisch aufzubereiten und weiterzugeben. Zugang zu den Ergebnissen der Evaluation erhalten Ärztinnen und Ärzte sowie weitere Akteure im Gesundheitswesen. „Wir denken an Veranstaltungen, Arbeitshilfen oder praxisnahe Leitfäden“, heißt es dazu von der KV Nordrhein. Vorstellbar sind zum Start Themen wie die Nutzung von digitalen Avataren oder Aspekte eines digitalen Impfmanagements, bei dem die administrativen und medizinischen Abläufe teilweise automatisiert werden. Darüber hinaus sind Formate geplant, in denen Interessierte die Praxis vor Ort erleben und sich direkt mit dem Team austauschen können. 

„Mit der MediTeam Praxis schaffen wir einen Ort, an dem Ideen nicht nur gedacht, sondern auch umgesetzt und überprüft werden“, betont KV-Vorstand Bergmann. Das neue Konzept zeige damit beispielhaft, wie Innovation, Praxisnähe und Zusammenarbeit miteinander verbunden werden können. Ein neuer KI-Fokusraum am Butzweilerhof mit mehr als 20 Tools für den Praxisalltag unterstützt Praxen außerdem gezielt beim digitalen Transformationsprozess. 

Simona Meier ist Redakteurin im Auftrag der KV Nordrhein.
 

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