Ein Obduktionssaal in Essen, eine Jugendforensik in Viersen oder ein Praxis-Container für wohnungslose Menschen in Köln: Ärztliches Arbeiten findet an den unterschiedlichsten Orten statt. Die Kurzfilmreihe „Aus dem Alltag nordrheinischer Ärztinnen und Ärzte“ der Ärztekammer Nordrhein macht diese Vielfalt sichtbar und lässt Medizinerinnen und Mediziner zu Wort kommen, die ihren Beruf mit ganz unterschiedlichen Aufgaben, aber mit viel Motivation und Herzblut ausüben.
von Marc Strohm
Für Dr. Nina Mahlke stand der Berufswunsch bereits in ihrer Jugend fest: Sie wollte Rechtsmedizinerin werden. Die Verbindung von Medizin, Wissenschaft und Ermittlungsarbeit fasziniert sie bis heute. In ihrem Beitrag zur Kurzfilmreihe „Aus dem Alltag nordrheinischer Ärztinnen und Ärzte“ will die Fachärztin an der Rechtsmedizin der Essener Universitätsklinik zugleich mit verbreiteten Klischees aufräumen, so zum Beispiel mit der Vorstellung, dass Rechtsmediziner ausschließlich mit Verstorbenen arbeiten oder verschroben sind. In der rechtsmedizinischen Ambulanz versorge sie auch sehr lebendige Patientinnen und Patienten, die Opfer schwerer Straftaten geworden sind.
Zwölf Filme hat die Ärztekammer Nordrhein bereits in der Reihe produziert, die unterschiedliche Facetten ärztlicher Tätigkeit zeigen. Sie begleiten unter anderem eine Fliegerärztin bei der Bundeswehr und geben Einblicke in die Arbeit des forensischen Psychiaters Dr. David Strahl, der Jugendliche mit psychischen Erkrankungen betreut, die schwere Straftaten begangen haben, aber aufgrund ihrer Erkrankungen als schuldunfähig gelten.
Im Mittelpunkt der Kurzfilme stehen immer die Menschen hinter dem Arztberuf. Die Protagonisten erzählen von ihrem beruflichen Werdegang, ihrer Motivation und den Herausforderungen ihres Berufsalltags, so wie Dr. Patrick Stais. Als niedergelassener Pneumologe in einer ländlichen Region erlebt er dort, dass es zunehmend schwieriger wird, Haus- und Facharztsitze nachzubesetzen und Fachkräfte zu gewinnen. Gleichzeitig schätzt er die enge Beziehung zu seinen Patientinnen und Patienten, die außerhalb der Ballungszentren häufig auch die Betreuung ganzer Familien einschließt. Andere Beiträge richten den Blick stärker auf die nichtärztlichen Talente der Protagonisten, wie der Film über Dr. Wolfgang Klingler. Er widmet sich neben der Berufspolitik in seiner Freizeit dem Klavierspiel und dem Schreiben von Gedichten.
Engagiert im Ehrenamt
Die Kurzfilmreihe richtet den Blick jedoch nicht nur auf den Berufsalltag in Praxis, Klinik oder besonderen Versorgungseinrichtungen. Sie zeigt auch Ärztinnen und Ärzte, die sich neben ihrer eigentlichen Tätigkeit in der ärztlichen Selbstverwaltung, in der Gesundheitsprävention oder bei Hilfsorganisationen im In- und Ausland engagieren. Beispiel Professor Dr. Mark Oette: Der Kölner Internist versorgt seit vielen Jahren wohnungslose Menschen in einer Container-Praxis. Im Film spricht er über die gesundheitlichen Herausforderungen, die das Leben auf der Straße birgt, und darüber, welche Bedeutung Vertrauen für eine erfolgreiche Behandlung hat.
Auch die ärztliche Selbstverwaltung lebt vom ehrenamtlichen Engagement vieler Ärztinnen und Ärzte. Allein bei der Ärztekammer Nordrhein bringen sich rund 2.000 Ärztinnen und Ärzte in der Kammerversammlung und in Ausschüssen, in den Kreisstellen, als Gutachter oder Prüferinnen und Prüfer ein. Einer von ihnen ist Dr. Michael Willems. Das Filmteam begleitet den Gastroenterologen an einem Prüfungstag. Seit mehr als 30 Jahren prüft er angehende Fachärzte und beschreibt diese Aufgabe als verantwortungsvolle Tätigkeit, die einen wichtigen Beitrag zur Patientensicherheit leistet. Bei Dr. Ulrike Paulus steht hingegen die Gesundheitskompetenz von Kindern im Mittelpunkt. Als Patenärztin im Präventionsprogramm Gesund macht Schule besucht sie regelmäßig Grundschulen und vermittelt Schülerinnen und Schülern Wissen zu Themen wie Hygiene, Ernährung und Bewegung.
Patienten im Mittelpunkt
Entstanden ist die Kurzfilmreihe im Oktober 2025 unter Federführung des Ad hoc-Ausschusses „Bild des Arztes / der Ärztin in der Öffentlichkeit“ der Ärztekammer Nordrhein, der es als seinen Arbeitsauftrag ansieht, ein positives Arztbild zu kommunizieren und weiterzuentwickeln. Ökonomisierung, Digitalisierung, medizinischer Fortschritt: All dies verändere die ärztlichen Tätigkeiten und damit auch das Bild, das die Gesellschaft von Ärztinnen und Ärzten habe. Die Kurzfilme sollten den Beruf realistisch und in seiner Vielfalt abbilden und zugleich erkennbar machen, was das Arztsein in seinem Kern ausmache, so der Ausschuss.
Neugierig geworden?
Die Kurzfilmreihe „Aus dem Alltag nordrheinischer Ärztinnen und Ärzte“ erscheint monatlich in den Medien der Ärztekammer Nordrhein. Die Filme sind abrufbar unter:
aekno.de/kurzfilmreihe-arztberuf
youtube.com/(at)AekNordrhein
instagram.com/aerztekammernordrhein


