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Mail aus München

18.08.2026 Seite 10
RAE Ausgabe 9/2026

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 9/2026

Seite 10

© privat

Im Mai habe ich mein Praktisches Jahr (PJ) in der Inneren Medizin begonnen. Nach drei Monaten möchte ich ein kleines Zwischenfazit ziehen – mit dem einen oder anderen Appell. In einer idealen Welt lernt man im PJ, „Ärztin zu sein“ und übernimmt im Rahmen des Möglichen und Sinnvollen viele ärztliche Aufgaben. In der realen Welt ist es leider nicht selten, dass PJ-Studierende den Vormittag mit Blutentnahmen und anderen Zuarbeiten verbringen, teils dadurch sogar die Visite verpassen und auch sonst nicht gut involviert sind. Meine Erfahrung liegt dazwischen: Seit dem Trainingslager Nephrologie/Geriatrie schrecken mich „schlechte Venen“ nicht mehr, aber ich habe in Visiten und spontanen Teachings viel gelernt. Trotzdem merke ich, dass es sehr viel Eigeninitiative braucht, um langfristigere und verantwortungsvollere Aufgaben übernehmen zu dürfen. Nichts hat mich so gefordert und weitergebracht wie das gelegentliche „Übernehmen“ von Patientinnen und Patienten, also einen Fall eng supervidiert von Aufnahme bis Entlassung selbst zu managen. Davon brauchen wir unbedingt mehr!
Liebe Ärztinnen und Ärzte: Danke, dass Ihr uns mitnehmt und uns so viel beibringt! Die Zeit ist im Klinikalltag immer knapp, und wir unterstützen gerne bei den alltäglichen kleinen Aufgaben. Bitte gebt uns routinemäßig auch größere Aufgaben mit mehr Verantwortung: Lasst uns neue Patientinnen und Patienten nicht nur untersuchen, sondern auch das Procedere konzipieren und den Fall in der Visite besprechen. Natürlich werden wir dafür länger brauchen und viele Fragen haben, aber die Lernkurve ist mit Verantwortung steiler, und produktiver werden wir auch.

Liebe Krankenhäuser: Danke, dass Ihr PJ-Unterricht und Logbücher mit ambitionierten Zielen organisiert. Bitte setzt Euch dafür ein, dass PJ-Studierende tatsächlich zum eigenständigen Arbeiten angeleitet werden. Und stellt sicher, dass der PJ-Unterricht stattfindet – anders als das Innere-Seminar meiner Klinik haben wir keine „Sommerferien“.
Schließlich ein Appell an meine Mit-PJ-Studierende und an mich selbst: Es ist einfach, in einen Trott des Mitlaufens und Danebensitzens zu verfallen – gerade, wenn die morgendliche Blutentnahmerunde die einzige definierte Aufgabe zu sein scheint. Lasst uns komplexere Tätigkeiten einfordern und es uns nicht zu sehr auf dem Beifahrersitz bequem machen. Denn da sitzen wir wirklich nicht mehr lange.
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