Klima und Gesundheit
Klimawandel / Hitzeaktionspläne: Die Ärztekammer Nordrhein unterstützt das Landeszentrum Gesundheit bei der Erstellung von Arbeitshilfen für den einrichtungsbezogenen Hitzeschutz
Der Zusammenhang zwischen der Erwärmung des Klimas und den dadurch begründeten Risiken von Hitzeperioden für die menschliche Gesundheit ist schon länger bekannt. Aber erst die Hitzewelle 2003 in Südwest-Europa und die Beschlüsse der vierten europäischen Ministerkonferenz für Umwelt und Gesundheit 2004 in Budapest erwähnten Hitzewellen als ein großes Gesundheitsrisiko vor allem in Städten (Declaration: Fourth Ministerial Conference on Environment and Helath) und stellten politische Forderungen. Interessanterweise beschloss die Ministerkonferenz damals einen Aktionsplan zur Verbesserung von Umwelt und Gesundheit speziell von Kindern in der Europäischen Region (Aktionsplan zur Verbesserung von Umwelt und Gesundheit der Kinder in der Europäischen Region), der das Risiko von Hitze beziehungsweise Hitzewellen berücksichtigte. In der damaligen Deklaration der Konferenz wurde noch der Konjunktiv (may change) über eine mögliche Zunahme der Hitzewellen verwendet. Diese Möglichkeit wurde von den aktuellen Ergebnissen der Erwärmung der Welt, der Meere und mit besonderer Betonung des Anstiegs in Europa längst überholt. (Sixth Assessment Report, European State of the Climate Report 2023, Special Report on the Ocean and Cryosphere in a changing Climate)
Die Europäische Kommission förderte 2005 das Projekt EuroHEAT um den Sachstand festzustellen und Maßnahmen zu prüfen, wie am besten auf die zunehmenden Hitzeperioden reagiert werden sollte. Die Ergebnisse dieses Projektes bildeten die Grundlage für die Empfehlungen des Europäischen Büros der WHO aus dem Jahr 2005 und nachfolgende Hitzeaktionspläne zum Beispiel der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum Schutz der menschlichen Gesundheit aus dem Jahr 2017 (Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen zum Schutz der menschlichen Gesundheit). Letztere bildeten wiederum die Grundlage des Beschlusses der Gesundheitsministerkonferenz im Oktober 2020 (Beschlüsse der Gesundheitsministerkonferenz 2020), innerhalb von fünf Jahren Hitzeaktionspläne in den Bundesländern zu entwickeln.
Die acht Kernelemente dieser Empfehlungen sind:
- Zentrale Koordinierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit
- Nutzung eines Hitzewarnsystems
- Information und Kommunikation
- Reduzierung von Hitze in Innenräumen
- Besondere Beachtung von Risikogruppen
- Vorbereitung der Gesundheits- und Sozialsysteme
- Langfristige Stadtplanung und Bauwesen
- Monitoring und Evaluation der Maßnahmen
Die Ärztekammer Nordrhein hat sich schon früh mit dem Thema des Klimawandels und den Herausforderungen für das Gesundheitssystem beschäftigt und unter anderem in der Wahlperiode 2019 - 2024 einen Ad-hoc-Ausschuss und in der aktuelen Wahlperiolde 2024 - 2029 einen ständigen Ausschus Prävention, Gesundheitsförderung und Klimawandelberufen, der den Vorstand der Ärztekammer zu diesem Thema berät.
Auch im Positionspapier der Bundesärztekammer zum gesundheitsbezogenen Hitzeschutz 3/2023 bekennt sich die Ärzteschaft zum Hitzeschutz und setzt Hitzeschutz auf die Agenda in Praxen und Krankenhäusern, Qualitätszirkeln, Berufsverbänden, Fachgesellschaften und Landesärztekammern (Positionspapier der Bundesärztekammer zum gesundheitsbezogenen Hitzeschutz).
In diesem Sinne hat der 128. Deutscher Ärztetag 2024 in Mainz in einem Beschluss die Umsetzung der Empfehlungen der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) vom 30.09.2020 innerhalb von fünf Jahren gefordert (Beschlussprotokoll): darin werden unter anderem die strukturelle und organisatorische Vorbereitung auf Hitzewellen (Hitzeaktionspläne) verpflichtend bis 2025, der Schutz vulnerabler Gruppen und der Anschluss der Gesundheits- und Sozialeinrichtungen an das Frühwarnsystem des Deutschen Wetterdienstes sowie die kontinuierliche Information der Bevölkerung über die Intensität klimabedingter Belastungsfaktoren wie Hitze aufgeführt.
In Nordrhein-Westfalen wurde bereits 2021 als Teil einer Klimaanpassungsstrategie ein Klimamasterplan mit dem Schwerpunkt „Klima, Umwelt und Gesundheit“ durch eine intersektorale Arbeitsgruppe im Auftrag der Landesregierung Nordrhein-Westfalen erarbeitet. Mit der Erklärung zur 30. Landesgesundheitskonferenz 2022 wurde diese Anpassung unter dem Gesichtspunkt des Gesundheitsschutzes mit einer Forderung nach Hitzeaktionsplänen auf kommunaler Ebene verbunden. Die Kreise und kreisfreien Städte können sich hierbei durch die obere Landesbehörde für Gesundheit und Arbeitsschutz beraten lassen, die die landesweite Zusammenarbeit koordiniert, einen Informationsfluss herstellt und geschäftsführend ein landesweites zentrales Netzwerk zum gesundheitsbezogenen Hitzeschutz einberufen hat. Zu diesem Netzwerk zählen unter anderem die Ärztekammern, die Kassenärztlichen Vereinigungen, das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales, die Bezirksregierungen, die kommunalen Spitzenverbände sowie die Krankenhausgesellschaft NRW, die Freie Wohlfahrtspflege sowie Kranken- und Pflegekassen.
In einer Arbeitsgruppe dieses Netzwerkes zum gesundheitsbezogenen Hitzeschutz wurden unter wesentlicher Mitarbeit der Ärztekammer Nordrhein Arbeitshilfen zur Erstellung von Hitzeschutzplänen in Krankenhäusern und stationären Pflege- und Wohneinrichtungen erstellt und die Erstellung von Arbeitshilfen für medizinische und therapeutische Praxen sowie ambulante Pflege- und Versorgungsdienste vorbereitet. Diese sollen für das Thema Hitze sensibilisieren, zum Handeln anregen und eine Orientierung bei der Erstellung und Umsetzung von Hitzeschutzmaßnahmen darstellen. Diese Hilfen sind keine verbindliche Richtlinie und lassen genügend Spielraum für eine individuelle Gestaltung des Vorgehens im Bereich des Hitzeschutzes auf Grundlage der spezifischen Strukturen, Prozessabläufe, Bedarfe und Ressourcen.
Diese Arbeitshilfen sind jeweils in drei Bereiche gegliedert:
- Teil A setzt den Rahmen für die Erstellung eines umfassenden Hitzeschutzes und gibt eine Checkliste mit jahreszeitlich unabhängigen Maßnahmen, die kurz-, mittel- und langfristig umgesetzt werden können. Explizit werden Maßnahmen während der Sommermonate mit Hitzeperioden und die Verwendung der Warnstufen 1 und 2 des Hitzewarnsystems des Deutschen Wetterdienstes erklärt.
- Teil B erläutert Grundlagen, Relevanz und Notwendigkeit von Hitzeschutzplänen. Besonders gefährdete Gruppen werden genannt, eine Implementierung des Hitzewarnsystems des Deutschen Wetterdienstes DWD wird vorgestellt.
- Teil C gibt handlungsorientierte Detailinformationen mit konkreten Vorschlägen zu Strukturen und Zuständigkeiten, aber auch konkreten Hinweisen zur Anamnese, Hitzeerkrankungen und zum Umghang mit Arzneimitteln.
Links mit weiteren Informationen
Einrichtungsbezogener Hitzeschutz
(Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz)
Gesundheitliche Folgen des Klimawandels
(Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz)
Infoportal zu Hitze und Gesundheit
(Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz)
konkrete Informationen zu Hitze für ärztliches Personal mit Medikationsplanung, Tipps für die Praxis und Klinik
(Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz)
Katalog zur Erstellung von Kommunikationsmaterialien
(Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz)
Handlungsfeld Hitze mit Schulungsmaterial
(KLUG Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit)
Hitzeschutz
(Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit)
Tipps für Menschen ab 65 und Angehörige - Hitze und Hitzeschutz
(Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit)
Wann schadet Hitze der Gesundheit
(Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) (IQWiG)
Patienteninfo zum Hitzeschutz
(Kassenärztliche Bundesvereinigung)
Klimaatlas NRW
(Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima NRW)
