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Gutachterkommission: Garant für eine hohe Qualität der Begutachtung


aktueller Tätigkeitsbericht

Die Gutachterkommission bei der Ärztekammer Nordrhein unterstützt Patientinnen und Patienten sowie Ärztinnen und Ärzte seit mehr als 40 Jahren bei der außergerichtlichen Klärung der Frage, ob eine im Zusammenhang mit einer medizinischen Behandlung aufgetretene Komplikation auf einen ärztlichen Behandlungsfehler zurückzuführen ist.

Das Angebot der außergerichtlichen Streitschlichtung soll Ärztinnen und Ärzten sowie Patientinnen und Patienten dabei helfen, eine Einigung zu erreichen und langwierige, belastende Gerichtsprozesse zu vermeiden. Die Erkenntnisse aus der Arbeit der Gutachterkommission fließen in ärztliche Fortbildungsmaßnahmen ein und befördern damit den kontinuierlichen Verbesserungsprozess im medizinischen Fehlermanagement.

Im abgelaufenen Berichtsjahr 2018/2019 hat die Gutachterkommission bei rund 2.000 neu eingegangenen Begutachtungsanträgen die Erledigungsquote mit 2.032 Gesamterledigungen und 1.435 gutachtlichen Erledigungen medizinisch beurteilter Begutachtungsanträge trotz der durch die Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) gestiegenen datenschutzrechtlichen Anforderungen
konstant halten können (siehe Statistische Übersicht).

Auch die Verfahrensdauer lag mit durchschnittlich 10,5 Monaten erneut bei unter einem Jahr. Diese Zahlen belegen den großen Einsatz aller Beteiligten, namentlich der ärztlichen und juristischen ehrenamtlichen Mitglieder und der Geschäftsstelle der Gutachterkommission.

Zweistufiges Verfahren sichert Qualität

In 409 der 1.435 Begutachtungsfälle stellte die Gutachterkommission Behandlungsfehler fest, das entspricht einer Quote von 28,5 Prozent, die damit um knapp vier Prozent geringer ausfiel als im Berichtszeitraum 2017/2018. Der Schwerpunkt der Begutachtungen lag, wie auch in den Jahren zuvor, sowohl im ambulanten Sektor als auch im Krankenhausbereich bei Vorgängen aus der Orthopädie und Unfallchirurgie sowie der Allgemeinchirurgie, gefolgt von der Inneren Medizin im Krankenhaus und der Allgemeinmedizin im Praxisbereich. Dies ist allerdings gerade mit Blick auf die Innere Medizin und die Allgemeinmedizin ins Verhältnis zur Zahl der in den jeweiligen Gebieten tätigen Ärztinnen und Ärzte zu setzen.

Teil des Verfahrens ist in etwa vier von zehn gutachtlichen Erledigungen ein abschließendes Gutachten gemäß § 11 des Statuts nach einem Einspruch gegen das Erstgutachten. Es lässt sich in Nordrhein beobachten, dass die Beteiligten den ersten Begutachtungsergebnissen häufig mit umfangreichen medizinischen und juristischen Einwänden begegnen, denen die Kommission durch eine oft aufwändige Zweitbegutachtung gerecht wird.

Der Bestand der noch zu erledigenden Anträge auf Erstattung eines abschließenden Gutachtens konnte im abgelaufenen Berichtsjahr von 325 auf 282 erneut gesenkt werden (siehe Statistische Übersicht). Wie in den Jahren zuvor, fand das Erstgutachten in der weit überwiegenden Zahl der Einsprüche in der abschließenden Begutachtung Bestätigung.

Auf der Kammerversammlung am 24. November 2018 betonte der Vorsitzende der Gutachterkommission Präsident des Oberlandesgerichts a. D. Johannes Riedel, dass vor allem auch diese Einspruchsmöglichkeit nach Vorlage des ersten Gutachtens eine Gewähr für eine hohe Qualität der Begutachtungen biete. Dabei mache die Kommission im Rahmen des ihr im Statut eingeräumten pflichtgemäßen Ermessens in schwierigen Fällen zunehmend davon Gebrauch, den Fall mit einem kleinen Kreis von Ärztinnen und Ärzten des betroffenen Fachgebiets zu erörtern, während die im Abstand von zwei Monaten stattfindenden Plenarsitzungen weiterhin der Diskussion vor allem fachübergreifender Fälle diene. Dieses Vorgehen trage auch zur Begrenzung der Kosten bei. Riedel wertete diese Einspruchsmöglichkeit als Ausdruck der Selbstbestimmung der antragstellenden Patientinnen und Patienten, aber auch der betroffenen Ärztinnen und Ärzte. Sie sichere Vertrauen und trage zur weiteren Stärkung der Qualität der Begutachtung bei.

Statistische Übersicht
 Berichtszeitraum
(1.10.2018 - 30.9.2019)
Berichtszeitraum
(1.10.2017 - 30.9.2018)
Gesamtzahl*
(seit 1.12.1975)
I.
1. Zahl der Anträge1.9842.00159.353
2. Zahl der Erledigungen
davon
2.1011.89558.022
2.1 gutachtliche Erledigungen1.5291.37443.238
davon
a) Gutachten (§ 8 III)

1.498

1.328


 
b) abschließende Gutachten (§ 11) von Amts wegen
3146 
2.2 Zahl der Behandlungsfehler, absolut
in Prozent
421
27,53 %
442
32,17 %
13.642
31,55 %
2.3 formelle Bescheide des Vorsitzenden (z. B. Verfahrenshindernisse)3093086.255
2.4 sonstige Erledigungen (Rücknahmen, Unzuständigkeit)2632318.559
3. noch zu erledigende Anträge1.3311.448 
II.
1. Zahl der Anträge, auf Erstattung eines abschließenden Gutachtens (§ 10 S. 2)58457910.606
(in Prozent der Gutachten zu I. 2.1 a)(39,4 %)(43,6 %) 
2. Zahl der abschließenden Gutachten (§ 11)6285589.946
davon wichen im Ergebnis vom Erstentscheid ab7357718
2.2 sonstige Erledigungen (Rücknahmen, Einstellungen)2326382
3. noch zu erledigen278345 
III.
Abschließende Gutachten insgesamt
(Abschnitt I. 2.1. b) und Abschnitt II. 2.)
659604 
Aus Fehlern lernen

Im Berichtsjahr sind in Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualität im Gesundheitswesen Nordrhein (IQN) weitere Fortbildungsveranstaltungen der Reihe „Aus Fehlern lernen“ zu den Themen „Befunderhebungsfehler – Diagnosefehler – welche Relevanz hat das in Klinik und Praxis?“, „Das Durchgangssyndrom/Delir“ und „Handverletzungen inklusive Biss- und Kratzverletzungen und Infektionen“ durchgeführt worden. Im September 2019 fand die bereits 79. Veranstaltung dieser Art zum Thema“ „Proktologische Eingriffe – Was muss man beachten?“ in Düsseldorf statt.

Kasuistiken oder Schwerpunktthemen waren Anlass für insgesamt zwölf von der Gutachterkommission unterstützte Publikationen sowohl im Rheinischen Ärzteblatt unter der Rubrik „Aus der Arbeit der Gutachterkommission“ als auch in externen Fachzeitschriften. Darüber hinaus wurden 14 Fachvorträge durch Bereitstellung und Aufbereitung von Datenmaterial gefördert sowie Themenaufbereitungen für zwei Konsensuskonferenzen mit den anderen Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen bereitgestellt. Die durch die Arbeit der Gutachterkommission gewonnenen Informationen über fehlerträchtige Situationen in Diagnostik und Therapie leisten so einen aktiven Beitrag zur Erkennung kritischer Situationen und zur Fehlervermeidung.

Bundesweit harmonisiertes Vorgehen der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen

Um für die Verfahrensbeteiligten (Patienten und Ärzte) sowie deren Anwälte und die Haftpflichtversicherer eine Vergleichbarkeit der Verfahren herzustellen und somit dem Wunsch nach noch mehr Transparenz und guter Anwendbarkeit des Verfahrens Rechnung zu tragen, haben sich die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Landesärztekammern auf eine gemeinsame Rahmenverfahrensordnung verständigt. Der Vorstand der Bundesärztekammer hat diesem Entwurf in großem Einvernehmen zugestimmt. In Nordrhein haben sich die Fraktionen der Kammerversammlung bereits grundsätzlich darauf verständigt, eine entsprechende Anpassung des hiesigen Statuts umzusetzen.

Kontakt zur Gutachterkommission

Leiterin der Geschäftsstelle
Dr. Tina Wiesener, MPH 0211 / 4302 2170

Büroleitung
Bettina Arentz
0211 / 4302 2171
gak(at)aekno.de
0211 / 4302 2179


Gutachterkommission für ärztliche Behandlungsfehler
Ärztekammer Nordrhein

Tersteegenstr. 9
40474 Düsseldorf

Postfach 30 01 42
40401 Düsseldorf