Hannover, 11.5.1026. Für mehr Engagement in den Gremien der ärztlichen Selbstverwaltung haben heute (11.5.) in Hannover junge Ärztinnen und Ärzte geworben. Im Rahmen des Dialogforums der Bundesärztekammer im Vorfeld des 130. Deutschen Ärztetags sprachen sie sich dafür aus, Spielräume zu nutzen, um die eigenen Berufsbedingungen mitzugestalten. Wer sich einbringe, könne darüber mitentscheiden, wie ärztliche Arbeit gestaltet werde, sagte Theresa Buuck, Allgemeinärztin aus Mecklenburg-Vorpommern, die in der dortigen Kammer dem Ausschuss „Junge Ärztinnen und Ärzte“ angehört. Damit die ärztliche Selbstverwaltung Zukunft habe, müsse sie aber vielfältiger, jünger und weiblicher werden. Es gelte, unterschiedliche Perspektiven zu Arbeitsbedingungen und der Vereinbarkeit von Privatleben, Beruf und ehrenamtlichem Engagement zu berücksichtigen. „Unterschiedliche Perspektiven sind keine Störung, sondern ein Gewinn“, erklärte Buuck. An die junge Ärztegeneration appellierte sie: „Wer sich nicht beteiligt, überlässt anderen die Entscheidungen über die eigenen Berufsbedingungen.“
Andrej Weissenberger, angehender Kinderarzt und in der Ärztekammer Nordrhein Vorsitzender des Ausschusses „Junge Ärztinnen und Ärzte“, räumte ein, dass die Selbstverwaltungsstrukturen oft abstrakt, bürokratisch und unnahbar erscheinen. Das führe zu einer ernüchternd geringen Beteiligung junger Ärztinnen und Ärzte. „Wenn wir etwas verändern wollen, dürfen wir uns nicht hinter Zeitmangel oder hoher Arbeitsbelastung verstecken oder darauf warten, dass uns der rote Teppich ausgerollt wird“, sagte Weissenberger. Man müsse auf Veränderung auch innerhalb der ehrenamtlichen Strukturen drängen, damit jungen Ärztinnen und Ärzten mehr Engagement in den Gremien ermöglicht werde. Dazu gehöre zum Beispiel auch, Sitzungen häufiger hybrid zu gestalten. Die ärztliche Selbstverwaltung sei kein Selbstzweck. Sie sei eine Brandmauer gegen eine reine Staatsmedizin. Er selbst betrachte es als Privileg, dass die Ärzteschaft unter anderem die fachärztliche Weiterbildung – „das Kernstück unserer Arbeit“ – selbst gestalten dürfe und damit die eigene berufliche Zukunft gestalten könne. „Wir sind die Kammer“, betonte Weissenberger. „Und wenn uns manche Themen zu fern sind, müssen wir unsere eigenen Themen auf die Agenda setzen.“ Selbstverwaltung müsse so gestaltet werden, dass die nächste Generation nicht frage, ob sie mitmachen wolle, sondern wo sie anfangen solle.
HK


