Düsseldorf, 3.9.2026. Trotz heftiger Kritik aus Praxen und Krankenhäusern am GKV-Sparpaket der Bundesregierung verteidigte Matthias Heidmeier die beschlossene Rückkehr zu einer Ausgabenpolitik in der gesetzlichen Krankenversicherung, die sich streng an den Einnahmen orientiert. Das sei angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen Rezession und Lohnnebenkosten von inzwischen fast 43 Prozent unumgänglich, betonte der Staatssekretär im NRW-Gesundheitsministerium beim diesjährigen Sommerempfang der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein am 2. September im Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft.
Er wolle die Kritik der Ärzteschaft an den Sparvorgaben, an unzureichender Digitalisierung oder überbordender Bürokratie nicht relativieren. Man müsse aber auch einmal auf das Erreichte schauen: ein grundsätzlich gut funktionierendes Gesundheitswesen, die soziale Marktwirtschaft und die freiheitlichen Grundrechte in Deutschland. "Es ist Zeit für mehr Optimismus", sagte Heidmeier und lobte zugleich die gute und konstruktive Zusammenarbeit mit den Akteuren im Gesundheitswesen. Gemeinsam müsse man deshalb auch die nächsten großen Baustellen angehen: die Einführung einer besseren Patientensteuerung durch ein Primärversorgungssystem und eine bessere Vorbereitung auf Krisensituationen. Dazu gehörten die Folgen von großer Hitze ebenso wie die hybride Kriegsführung Russlands mit Drohnen und Hackerangriffen. Am 10. Dezember wolle das Ministerium im Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft einen Rahmenplan für eine krisenfeste Gesundheitsversorgung in NRW vorstellen.
Zuvor hatte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Sven Dreyer, seine Kritik am GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz erneuert. "Es ist immer etwas leichter, den Gürtel anderer enger zu schnallen als den eigenen", sagte er. Die Bundesregierung verlange erhebliche Einsparungen von Praxen und Krankenhäusern, komme aber der eigenen Verantwortung bei der Finanzierung versicherungsfremder Leistungen nur unzureichend nach. Nach Ansicht von Dreyer hätte man zuerst die Strukturen im Gesundheitswesen reformieren müssen, um dann zu schauen, welche Effizienzreserven sich tatsächlich heben ließen. Der Präsident warnte zudem vor einer weiteren Zersplitterung der Versorgung, wenn die Primärversorgung um immer neue Anlaufstellen erweitert werde. Statt Doppelstrukturen abzubauen, würden neue geschaffen, wenn Patienten in Zukunft zum Beispiel Impfungen und weitere diagnostische und telemedizinische Leistungen in Apotheken wahrnehmen könnten. "Primärversorgung bedeutet für mich nicht: noch eine Tür, sondern die richtige Tür", bekräftigte Dreyer.
HK



