Düsseldorf, 21.8.2026. "Der Medizinische Dienst Bund (MD Bund) hat gestern (20.8.2026) seine jährliche Behandlungsfehler-Statistik vorgestellt. In Deutschland wurden demnach im vergangenen Jahr rund 11.700 gemeldete Verdachtsfälle von den Gutachtern des MD geprüft. In etwa jedem vierten Fall wurde ein Fehler bestätigt. Setzt man diese Zahlen ins Verhältnis zu den insgesamt jährlich rund 600 Millionen Behandlungsfällen im stationären und ambulanten Bereich, dann bleibt die bestätigte Fehlerquote im geringen Promille-Bereich. Dennoch ist jeder vermeidbare Behandlungsfehler ein Fehler zu viel, der Verunsicherung, Leid und Schaden bei unseren Patientinnen und Patienten und deren Angehörigen verursacht. Diese Fehler will keine Ärztin und kein Arzt machen. Leider ist es aber auch nicht auszuschließen, dass dort, wo Menschen unter größtem Druck handeln, Fehler auftreten – trotz hoher fachlicher Anforderungen an die Qualifikation der Berufsausübenden, trotz aller Mühe um die Einhaltung fachlicher Standards und die lebenslang verpflichtende berufliche Fortbildung.
Die Ärztinnen und Ärzte in Nordrhein sehen es daher als ihre gemeinsame Aufgabe an, Strukturen, berufliche Rahmenbedingungen und mögliche Fehlerquellen zu analysieren, damit sich ein einmal gemachter Fehler möglichst nicht wiederholt. Dafür wurde zum einen die Gutachterkommission für ärztliche Behandlungsfehler bei der Ärztekammer Nordrhein etabliert, an die sich Patientinnen und Patienten im Falle eines vermuteten Behandlungsfehler kostenfrei wenden können. Ziel der Gutachterkommission ist die objektive sachverständige Begutachtung ärztlichen Handelns mit dem Ziel, den durch einen Behandlungsfehler in ihrer Gesundheit Geschädigten die Durchsetzung begründeter Ansprüche und den Ärztinnen und Ärzten die Zurückweisung unbegründeter Vorwürfe zu erleichtern. Über diese Aufgabe hinaus analysiert die Gutachterkommission seit vielen Jahren festgestellte Behandlungsfehler und bereitet sie zur Fortbildung und Publikation systematisch auf.
Sammlung der gutachtlichen Entscheidungen der Gutacherkommission: Januar 2016 bis Januar 2020
Zum anderen haben die Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe, die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen und die Kassenärztlichen Vereinigungen Nordrhein und Westfalen-Lippe schon 2012 die Initiative ergriffen, mit einem Critical Incident Reporting System in Nordrhein-Westfalen (CIRS-NRW) ein Lern- und Berichtssystem für kritische Ereignisse in der Patientenversorgung zu etablieren.
Wir sind selbstverständlich offen dafür, mit allen Beteiligten weitergehende Maßnahmen zu diskutieren, die dem Ziel dienen, Fehler zu vermeiden und eine transparente Fehlerkultur zu schaffen. Was aber nicht geschehen darf, ist, mit Behandlungsfehlerstatistiken Sorge und Alarmismus zu verbreiten."

