Vor wenigen Tagen hat sich die Bundesregierung auf die Einführung einer Zuckersteuer geeinigt. Dagegen formiert sich nun Widerstand der Agrarministerinnen und -minister mehrerer Bundesländer, die die von der Bundesregierung geplante Zuckersteuer mit dem Verweis auf die angeblich nicht ausreichend nachgewiesene Wirksamkeit ablehnen und stattdessen mehr Eigenverantwortung und Ernährungsbildung einfordern.
Dazu Dr. Sven Dreyer, Präsident der Ärztekammer Nordrhein: "Wir sehen tagtäglich die Auswirkungen einer zu fett- und zuckerhaltigen Ernährung in unseren Arztpraxen und Krankenhäusern. Übergewicht und Adipositas bereits im Kindesalter, frühe Stoffwechselstörungen, Typ-2-Diabetes, Fettlebererkrankungen sowie Karies sind die Krankheitsbilder, die unser Gesundheitssystem jährlich in Milliardenhöhe belasten. Gerade zuckerhaltige Getränke sind Treiber dieser Entwicklung, weil sie dem Körper große Mengen an freiem Zucker ohne Sättigungsgefühl zuführen und Stoffwechsel sowie Organe stark belasten. Wer jetzt versucht, eine gestaffelte Zuckersteuer mit dem Verweis auf fehlende Wirksamkeit und mehr Ernährungsbildung auszuhebeln, macht es sich zu einfach. Zum einen, weil es durchaus Studien mit Wirksamkeitsbelegen gibt und zum anderen, weil bislang jede ernsthafte Initiative vonseiten der Länder fehlt, Ernährungsbildung als Pflichtfach in der Schule zu etablieren. In Großbritannien wurde die gestaffelte Zuckersteuer auf Softdrinks bereits 2018 eingeführt. Seitdem haben viele Hersteller den Zuckergehalt ihrer Softdrinks gesenkt. Enthielten 2015 noch fast 50 Prozent der im Supermarkt angebotenen Getränke mehr als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter, waren es 2019 nur noch 15 Prozent. Außerdem legt eine Studie der Cambridge University nahe, dass die Zuckersteuer die Fettleibigkeit bei zehn- und elfjährigen Mädchen um acht Prozent verringert hat. Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Zuckersteuer maßgeblich dazu beigetragen hat, die Zahl der Zahnextraktionen zu senken."

