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Pressemitteilung

Medizinische Versorgung in Krisenszenarien aufrechterhalten

Notfall mit Bahre
© Contributor, Getty Images

Düsseldorf, 14.3.2026. Die Coronapandemie, die Flutkatastrophe im Ahrtal, der fortdauernde Ukrainekrieg: Für die Ärztekammer Nordrhein sind Ereignisse wie diese Grund genug, sich bei der heutigen Kammerversammlung (14.3.) in einem Schwerpunkt mit der Krisenfestigkeit des Gesundheitssystems zu beschäftigen. Insbesondere die Krankenhäuser gehörten zur kritischen Infrastruktur, die schon jetzt Ziel von Cyberangriffen sei. Experten zufolge bestehe zudem das Risiko von Sabotageakten gegen die Strom-, Wasser- und IT-Infrastruktur, die das Potenzial hätten, die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung zu beeinträchtigen. Im Bündnis- und Verteidigungsfall gelte es darüber hinaus, nicht nur die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten, sondern auch die Versorgung von verletzten Soldaten von Bundeswehr und Nato-Partnern sicherzustellen. Um diese Aufgaben zu meistern, müssten klare Zuständigkeiten, ausreichende Behandlungskapazitäten, genügend Personal sowie ausreichende Vorräte von Arzneimitteln und Medizinprodukten geschaffen werden, forderte das Ärzteparlament. Auch müsse die ambulante Versorgung in der nationalen Krisen- und Verteidigungsplanung berücksichtigt und an der Entwicklung eines Konzeptrahmens beteiligt werden.

Einen Operationsplan für ein krisenresilientes Gesundheitswesen kündigte der Staatssekretär im NRW-Gesundheitsministerium, Matthias Heidmeier, vor der Kammerversammlung an. Er soll im Dezember dieses Jahres vorliegen. Ziel sei es, gemeinsam mit den Ärztinnen und Ärzten sowie den Angehörigen anderer Gesundheitsberufe einen Gesamtplan zu entwickeln. Dabei müsse die zentrale Frage geklärt werden, welche personellen Ressourcen wo im Krisenfall zur Verfügung stehen und wie diese gut vernetzt werden können. „Wir wollen keine Panik verbreiten, sondern Sicherheit schaffen in Zeiten großer Unsicherheit“, sagte Heidmeier.

Dr. Felix Kolibay, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Krankenhaus-Einsatzplanung, warb dafür, angesichts der sich zuspitzenden militärischen Bedrohungslage, aber auch mit Blick auf zunehmende Naturkatastrophen infolge des Klimawandels eine Basisrobustheit in der gesamten Breite des Gesundheitswesens zu schaffen. In ein Sicherheitskonzept müssten alle Versorgungsbereiche eingebunden werden, von den Krankenhäusern über die Praxen bis hin zu den Rehakliniken. „Das ist entscheidend für die Resilienz und einen angemessenen Umgang mit Großschadenslagen“, erklärte Kolibay. 

Zunehmend an Bedeutung gewinne auch die zivil-militärische Zusammenarbeit, betonte Oberstarzt Dr. Martin Henes vom Kommando Gesundheitsversorgung der Bundeswehr. Während sich bisher der Katastrophenschutz und die Krankenhäuser im Krisenfall auf die Unterstützung der Bundeswehr verlassen hätten, kehre sich dieses Verhältnis bei der Landes- und Bündnisverteidigung um, sagte Henes. Dann würden die Streitkräfte die Unterstützung der Krankenhäuser und Praxen benötigen. Dafür brauche man bereits im Vorfeld eine klare Struktur und Aufgabenverteilung sowie gemeinsame Übungen.

„Die vergangenen Jahre haben uns vor Augen geführt, wie verletzlich un-ser Gesundheitssystem ist“, erklärte Dr. Sven Dreyer, Präsident der Ärz-tekammer Nordrhein. „Und die Analyse vieler Experten zeigt, dass unser Gesundheitswesen nur unzureichend auf mögliche Bedrohungslagen vor-bereitet ist.“ Es sei gut, dass es jetzt die Bereitschaft auf allen Ebenen ge-be, hier besser zu werden, so Dreyer. Denn auch in Krisenfällen müsse medizinische Versorgung auf hohem Niveau funktionsfähig bleiben.

ÄkNo

 



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